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Was sind Hormone und wie funktioniert das Hormonsystem?

Das Wort „Hormon“ wird vom griechischen "hormao" abgeleitet, was so viel wie "ich treibe an" oder "ich bewege" bedeutet. Hormone sind hochspezialisierte biochemische Botenstoffe, die am reibungslosen Ablauf fast aller Prozesse im Körper (z.B. Menstruationszyklus, Fortpflanzung, Schwangerschaft, Stressregulation, Stoffwechsel, Blutzuckerregulation u.v.m.) beteiligt sind.

Sie fungieren als Nachrichtenübermittler zwischen den Organen und einzelnen Zellen, werden bei Bedarf in Sekundenschnelle ins Blut abgegeben und erledigen ihre Aufgaben meist unbemerkt. Doch wehe, wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten! Ein „Störfall“ in ihrem Gefüge kann unser Leben ganz schön aus den Fugen geraten lassen. Schon kleinste Abweichungen des Hormonspiegels können zu massiven Begleiterscheinungen führen.
Hormone werden in Pikogramm gemessen (1 Pikogramm = 1 Billionstel Gramm). 1 Billionstel Gramm? Kaum vorstellbar wie winzig diese Menge ist!
Zur Veranschaulichung folgendes Beispiel: lösen Sie ein Stück Würfelzucker in einer Tasse Kaffee auf, trinken Sie den Kaffee aus und spülen Sie die Tasse in einem Schwimmbecken von 50 m Länge, 20 m Breite und 2 m Tiefe aus. Nun das Wasser umrühren und einen Tropfen entnehmen. Dieser Tropfen enthält dann ungefähr ein Pikogramm Zucker.
Aus diesem Beispiel wird einerseits klar, wie „mächtig“ Hormone sind und andererseits verständlich, dass schon kleinste Abweichungen der Hormonkonzentration weit reichende Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

Hormone, E-Mails des Körpers
Die Zielzellen der Hormone verfügen über eigene Rezeptoren, an denen nur dieses ganz bestimmte Hormon andocken kann, um seine Informationen an eine andere Nervenzelle weiterzuleiten. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit einem E-Mail-Schriftverkehr: der oberste Chef (der Hypothalamus) schickt ein Mail an die Geschäftsführung (die Hypophyse) und verlangt z.B. die Ausschüttung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Außerdem möchte er eine Benachrichtigung, wenn der Auftrag erledigt ist (negative Rückkoppelung). Der Geschäftsführer schickt diese Nachricht nun weiter an den zuständigen Abteilungsleiter einer ganz bestimmten Abteilung, in diesem Fall die Nebennierenrinde, die den Auftrag ausführt, Cortisol produziert und ein Antwortmail (biochemisch gesehen ist dies die Hormonkonzentration im Blut) zurück an den „Oberboss“ – den Hypothalamus schickt, der den Auftrag somit als erledigt ablegt.

Biochemisch gesehen spricht man in diesem Beispiel von der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse. Die Abläufe sehen folgendermaßen aus:
Der Hypothalamus sendet das Corticotrope Releasing Hormon (CRH) an die Hypophyse. Diese produziert daraufhin das Adenocorticotrope Hormon (ACTH) und sendet dieses an die Nebennierenrinde, wo schließlich Cortisol ausgeschüttet wird. Dabei wird laufend der Sättigungsgrad gemessen. Wenn dieser erreicht ist, wird im Sinne einer negativen Rückkoppelung die Produktion von CRH und Cortisol eingestellt.
Dieser Regelkreislauf gilt auch für alle anderen Hormone. Die Hormondrüsen beeinflussen sich demnach gegenseitig und sorgen sozusagen für das „Feintuning“ der Abläufe im Körper. Kleinste Veränderungen der Hormonspiegel können weitreichende Auswirkungen haben, was aber im Gegenschluss auch bedeutet, dass oft mit minimalen Interventionen eine bedeutende Besserung erzielt werden kann.

Die primären endokrinen Drüsen sind:

•    Hypothalamus (ein Teil des Zwischenhirns und oberste Regelzentale des vegetativen Nervensystems)
•    Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)
•    Zirbeldrüse (Epiphyse)
•    Schilddrüse (Glandula thyroidea)
•    Nebenschilddrüse (Glandula parathyroidea)
•    Thymusdrüse
•    Nebennieren (Glandulae suprarenales)
•    Bauchspeicheldrüse (Langerhans Inseln im Pankreas)
•    Eierstöcke (Ovarien)
•    Hoden (Testes)

Es gibt im Körper kaum Abläufe, an denen nicht auch Hormone beteiligt sind. Hier nur eine kleine Auswahl:

•    Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale wie Körperbehaarung, Brustwachstum, Stimmbruch)
•    Fortpflanzung (z. B. Bildung und Reifung von Ei- und Samenzellen, Befruchtung, Versorgung des Kindes im Mutterleib,…)
•    Menstruationszyklus
•    Libido, Potenz und Zeugungsfähigkeit
•    Wachstum und Entwicklung, z. B. durch Regulierung des Stoffwechsels von Muskeln, Knochen und Geweben in der Wachstumsphase
•    Mobilisierung von Abwehrkräften bei Belastungen, z. B. bei Stress, Durst, Hunger, Hitze, Kälte, Verletzungen, Infektionen
•    Elektrolyt-, Wasser- und Nährstoffgleichgewicht
•    Zellstoffwechsel und Energiegleichgewicht. Hormone sorgen für die optimale Verwertung von Nährstoffen und sind mit beteiligt an der  Aufrechterhaltung fast aller Körper-und Zellfunktionen
•    Blutdruck und Kreislaufregelung
•    Verhalten, Emotion (Gefühl) und Psyche


Beschwerdebilder mit Verbindung zum Hormonsystem:

Osteoporose – prämenstruelles Syndrom (PMS) – Zyklusbeschwerden – Wechseljahrsbeschwerden – Hitzewallungen – vorzeitiges Altern – Faltenbildung – Bindegewebsschwäche – ständige Müdigkeit - Burnout – Leistungsschwäche – Östrogendominanz - Schilddrüsenprobleme - Rheuma – Übergewicht – Allergieneigung – Brustknoten – Depressionen – Prostatavergrößerungen – nächtlicher Harndrang – Schlaflosigkeit – Schleimhautprobleme – Stoffwechselschwäche – unerfüllter Kinderwunsch – Impotenz- Akne - Migräne