Schilddrüse die sensible Diva

Herzrasen, Ängste, Beklemmungsgefühle, Haarausfall, unerklärliche Gewichtszu- oder –abnahme, Schlafstörungen, übermäßiges Schwitzen, ständiges Frieren, prämenstruelle Befindlichkeitsstörungen – die Liste der Beschwerden, an denen die Schilddrüse mit beteiligt sein kann, ließe sich noch sehr lange fortsetzen. 

Besonders häufig sind Frauen von Schilddrüsenstörungen betroffen und erfahren dadurch teilweise massive Einschränkungen ihrer Lebensqualität. Die konventionelle Behandlung erfolgt in der Regel rein symptomatisch (z.B. durch Gabe von Schilddrüsenhormonen oder durch die Unterdrückung von deren Produktion). Häufig sind die zugrundeliegenden Ursachen jedoch komplex und reichen über das Organ Schilddrüse hinaus. So kann ein Ungleichgewicht im Geschlechts- und/oder Stresshormonbereich Auswirkungen auf die Schilddrüse haben und umgekehrt.

Einige wichtige Fakten zur Schilddrüse:

Die Schilddrüse sitzt am vorderen Hals gleich unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre und besteht aus zwei seitlichen Lappen und einem Mittelteil (Isthmus). Sie hat die Form eines Schmetterlings. An der Rückseite der Seitenlappen liegen die vier etwa linsengroßen Nebenschilddrüsen. Das Gewicht des nur wenige cm großen Organs beträgt durchschnittlich nur etwa 20 g, beansprucht jedoch etwa 60% des gesamten Blutstromes pro Stunde.
In einem komplexen hormonellen Regelkreis produziert und speichert die Schilddrüse unter Einfluss von TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Dazu benötigt sie Jod. Diese 3 Hormone stellen zugleich wichtige serologische Größen in der Schilddrüsendiagnostik dar. Das ebenfalls in der Schilddrüse gebildete Hormon Calcitonin sowie das in den Nebenschilddrüsen gebildete Parathormon spielen eine Rolle im Calciumstoffwechsel.

Aufgaben der Schilddrüse

Das Miniorgan und seine Hormone T3 und T4 sind an fast allen wichtigen Funktionen im Körper beteiligt:
• Stoffwechsel allgemein
• Sauerstoff- und Energieverbrauch
• Körperwärme
• Mineralstoff- und Wasserhaushalt
• Skelettwachstum
• seelisches Wohlbefinden
• Sexualität und Fruchtbarkeit
• Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln
• gesundes Heranwachsen von Fötus und Kindern
• (Mit)Regulation anderer Hormondrüsen
• Verwertung von Nahrungssubstanzen in den Zellen, stehen essentiell unter dem Einfluss der Schilddrüsenaktivität und ihrer ausgewogenen Hormonproduktion.

 

Wichtige Schilddrüsenstörungen

Die Symptome von Schilddrüsenstörungen können sich überschneiden und so die Diagnose erschweren. Eine Struma, also ein Kropf, kann sich sowohl bei Unter- als auch bei Überfunktion entwickeln, bei einer Hashimotothyreoiditis kann es zu Über- und Unterfunktionssymptomen kommen, Wechseljahresbeschwerden können mit Schilddrüsenfehlfunktionen verwechselt und dadurch unter Umständen falsch therapiert werden usw.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist geprägt durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen. Sie kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden. Die Ursachen können vielfältig sein und sind meist schwer zu fassen. Die Symptome der Unterfunktion ergeben sich aus den durch den Hormonmangel herabgesetzten Stoffwechselfunktionen: Antriebsarmut, häufiges Fieren, Gewichtszunahme trotz geringer Nahrungszufuhr, Haarausfall, Kinderlosigkeit usw.
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse zu viel T3 und T4. Dadurch wird der Energieumsatz im Körper erhöht. Die Betroffenen laufen ständig auf Hochtouren, ihnen ist ständig warm sie kämpfen mit unerklärlichen Gewichtszunahmen, neigen zu Durchfällen und Herzrasen, sind nervös, und wenig belastbar. Die häufigste Ursache der Morbus Basedow (siehe unten), aber auch Entzündungen, Neubildungen, Hypophysenfehlfunktion usw. kommen in Frage.
Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse - fehlgeleitete Energien
Von einer Autoimmunerkrankung spricht man, wenn der Körper sich selbst, seine Organe und Zellen angreift und so in ihrer Funktion behindert und/oder zerstört, d.h. das Immunsystem richtet sich gegen eigene Strukturen.


Morbus Basedow

Wie weiter oben bereits beschrieben wird die Schilddrüse durch das in der Hypophyse produzierte TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) zur zeitlich begrenzten Ausschüttung von T3 und T4 angeregt. Beim Morbus Basedow kommt es zu einer anhaltenden und krankhaften Überfunktion der Schilddrüse, die durch sogenannte TRAK-Antikörper ausgelöst wird. Sie bewirken eine dauerhafte Stimulation der Schilddrüse. Häufig sind akute Schockerlebnisse oder länger bestehende Belastungssituationen Auslöser bzw. begünstigen die Entstehung eines Morbus Basedow. Auch eine Schwangerschaft kommt als Ursache in Frage.
Die Symptome entsprechen denen einer Schilddrüsenüberfunktion (siehe oben). Typisch ist außerdem der Exophtalmus (= weit offene, aus den Augenhöhlen tretende Augäpfel). Herzrasen und Reizleitungsstörungen können eine große Belastung sein.
Die TRAK-Antikörper können im Blut nachgewiesen werden und sind ein wichtiger Hinweis auf eine eventuell bestehende Erkrankung.

Hashimoto-Thyreoiditis

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis eine krankhafte Unterfunktion der Schilddrüse vor. Körpereigene Antikörper infiltrieren das Schilddrüsengewebe entzündlich und zerstören es. Die Schilddrüse kann nicht mehr in ausreichendem Maße Hormone bilden. Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 werden normalerweise das so genannte Thyreoglobin gebunden und in dieser Form gespeichert. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird dieses Protein durch den Thyreoglobin-Antikörper (TG-AK) angegriffen und zerstört. Zusätzlich können Thyreoidea-Peroxidase-Antikörper (TPO-AK), den Zellstoffwechsel innerhalb der Schilddrüse negativ beeinflussen. Die beiden Antikörpertypen TG-AK und TPO-AK können im Blut nachgewiesen werden und sind ein wichtiger Hinweis auf eine mögliche Autoimmun-Thyreoiditis.
Die Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis sind schwer zu erfassen. Diskutiert wird eine familiäre Häufung ebenso wie überhöhte Jodgaben. Auffallend ist auch, dass die Krankheit oft gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftritt. In letzter Zeit wird auch immer häufiger Gluten als Auslöser diskutiert.
Kropf (Struma)
Kropf ist die Bezeichnung für eine Vergrößerung der Schilddrüse oder einzelner Teile, unabhängig davon, ob der Kropf knotig, ob er gut- oder bösartig ist, ob er nach innen oder außen wächst. Er entwickelt sich meist langsam und macht daher anfänglich kaum Beschwerden. Es können jedoch Symptome wie Engegefühl, Atemnot, Schluckbeschwerden oder Heiserkeit auftreten. Die häufigste Ursache für eine Struma ist Jodmangel, aber auch Zysten, Schilddrüsentumore, hormonelle Dysbalancen,… kommen in Frage


Schilddrüsenknoten

Schilddrüsenknoten kommen bei fast jedem dritten Erwachsenen vor. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. Meistens sind die Knoten harmlos und werden von den Betroffenen gar nicht wahrgenommen. Trotzdem gilt, dass jeder Schilddrüsenknoten beobachtet werden sollte, da sich dahinter auch schwerere Erkrankungen verstecken bzw. entwickeln können.

Schilddrüsenknoten entstehen, wenn Zellen sich innerhalb einzelner Areale des Organs vermehren und/oder vergrößern. Sie können sich auf die Hormonbildung auswirken und verschiedenste Beschwerdebilder hervorrufen.
Kalter Knoten, heißer Knoten – was ist der Unterschied?
Die Bezeichnungen „heiß“ und „kalt“ beziehen sich darauf, ob und in welchem Ausmaß der Knoten Hormone produziert. Wenn in dem veränderten Areal mehr Hormone als im normalen Schilddrüsengewebe produziert werden, spricht man von einem heißen Knoten. Häufiger kommen jedoch die kalten Knoten vor, in denen weniger oder gar keine Hormone produziert werden.
Als häufigste Ursache für Schilddrüsenknoten wird auch hier Jodmangel angeführt, aber auch Zysten, gutartige und bösartige Neubildungen, genetische Veränderungen an bestimmten Rezeptoren u.a. können der Auslöser sein.
Kleine Schilddrüsenknoten verursachen in der Regel keine Beschwerden und sind meist ein Zufallsbefund. Wenn sie jedoch wachsen können Probleme beim Schlucken, Heiserkeit, Räusperzwang oder ein allgemeines Druckgefühl am Hals und Druckschmerzhaftigkeit die Folge sein. Durch die gesteigerte Hormonproduktion bei heißen Knoten kann es zu Symptomen der Schilddrüsenüberfunktion kommen.


„Alles in Ordnung“ - Schilddrüsensymptome trotz bester Blutwerte?
Bei der Standard- Blutuntersuchung wird zunächst meist nur das TSH, also das Thyreoidea stimulierende Hormon bestimmt. Liegt dieses im Normbereich, so bekommt man meist die Auskunft „alles in Ordnung“. Es gibt allerdings auch Schilddrüsenbeschwerden oder sogar Erkrankungen, die trotz eines normalen TSH-Wertes auftreten können. Wenn also dennoch Symptome vorhanden sind, die auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung hinweisen, sollte auf jeden Fall die Bestimmung von fT3 und fT4 und eventuell der Schilddrüsenantikörper ein logischer nächster Schritt sein. Denn: was zählt ist letztendlich die Befindlichkeit der Patientinnen und Patienten